Nachruf

Nachruf

Meine geliebte Julia
Mein über alles geliebter Engel

Am 30.Oktober 2015 hast du deinen letzten Atemzug getan.

Aufrecht bist du durch deine Erkrankung gegangen,
hast voller Mut soviel Leben wie möglich in dieses 1 und dreiviertel Jahr gepackt.

Wie sehr wünschtest du dir ein Wunder, während du gekämpft hast.
Wie sehr hoffte ich mit dir auf dein Wunder der Heilung.
Leider blieb dieses Wunder auf Erden aus.

Meine tapfere Julia:
Meine Vorstellung ist, dass du aus dem Schweren in das Leichte hinaufgestiegen bist.
In das Licht, in das Gold, das du einmal gemalt hast.
Der Himmel gibt dir nun deinen großen Schaffensraum.
Vielleicht ist dies dein himmlisches Wunder!?

Du bist gegangen, und ungewöhnlich blau und sonnendurchflutet schön war der Himmel für Tage, für Wochen! Und dies im November!
Mit diesem Bild, dass du glücklich, gesund und fröhlich nun den Himmel gestaltest, trage ich dich in meinem Herzen in unendlicher Liebe.
Deine Töchter treten mit ihrem wachen, aufmerksamen und tiefsinnigen Geist in deine Fußstapfen!
Sie lieben das Leben und nehmen es in Gänze an.
Sie leben in der Gegenwart, leben trotz der traurigen Augenblicke die ganze Gefühlspalette der Freude auf alles was das Leben bereithält!
Mein wunderbares Kind! Meine tiefste Verehrung:
Wie großartig du dies vorbereitet hast! Du warst und bist noch immer das Vorbild deiner Töchter!
Dabei warst du große Realistin, hast getan, was deiner Meinung nach anstand.
Das Schweben in irgendwelchen höheren Sphären war nicht dein Anliegen.
Du wolltest nie Statements setzen, du setztest sie automatisch durch deine Leidenschaft, durch deine Präsenz, mit der du, deiner Krankheit und Schmerzen trotzend, dich anschicktest, deine Träume eigensinnig und eifrig umzusetzen.

Du warst so bereit für das Wunder des Lebens, du hast keine Visionen verschwendet mit Tagträumen.
Tag für Tag und jede Sekunde deines kostbaren Lebens hast du alles für deine Visionen gegeben. Dich nicht gescheut, sich von Erwartungen loszusagen, die sich nie erfüllen würden.
Stattdessen erreichbare Ziele gelebt, jede Träne geweint, jedes Lachen ausgekostet.
Bis in die letzten Minuten deines Lebens warst du lebendig und im Leben begleitet.
So wolltest du es, und so ist es gekommen.

Mein Liebes!
Deine Nachdenklichkeit, deine Tiefsinnigkeit, zusammen mit deiner dir ganz eigenen Heiterkeit, wird mir so sehr fehlen.
Alles, was dich ausgemacht hat!

Ich verehre dich.
Danke, dass ich deine Mutter sein durfte,
Danke, dass du mir das Riesengeschenk gemacht hast, dich als deine Tochter haben zu dürfen!

Liebe und Harmonie mögen immer mit dir sein, Glück und himmlische Freude!

In love forever
Deine Mama

Geschrieben von Gisela Deffner am 9.2.2016

Vom Reichtum zu lieben

Vom Reichtum zu lieben

Er ist immer an meiner Seite. Bin ich glücklich, traurig, wütend oder verzweifelt, er ist immer da. Bei allem Unglück ist er trotzdem der Romantiker geblieben. Wenn ich zweifle, antwortet er nur: „Bei unserer Hochzeit habe ich es versprochen, in guten wie in schlechten Zeiten.“ Dass er mich als gesunde Frau geheiratet hat, verdrängt er: Als Frau mit wunderschönem Haar. Als Frau mit Lust gemeinsam die sexuelle Welt zu erkunden. Wo ist jetzt meine Schönheit geblieben? Wo ist jetzt meine Lust geblieben? Begierde, Erotik, Zärtlichkeit, Nähe – all das fehlt mir sehr. Obwohl ich es vermisse, ist es trotzdem ganz weit weg, weit weg von mir. Mein Körpergefühl ist immer schmerzverzerrt, es hat an positiver Bedeutung verloren. In meinem Alltag kosten banale Dinge sehr viel Kraft, so dass ich abends völlig erschöpft in die Kissen falle. Ich bin einfach froh, diesen einen Tag wieder überlebt zu haben. Zärtlichkeit? Das steht ganz unten auf meiner Liste.

Weiterlesen

Ich „erschwimme“ mir meine Traumfigur

Ich „erschwimme“ mir meine Traumfigur

Ich fühle mich schwerelos. Mein Körper ist federleicht. Lautlos gleite ich durch das warme Nass. Das Schwimmen ist meine neue Leidenschaft. Endlich kann ich mich wieder auf etwas freuen! Mein Highlight des Tages ist für andere der wahre Albtraum. Im Hochsommer gehe ich freiwillig in das Kinderbecken eines Hallenbades. Der Boden darf nur so tief sein, dass ich jederzeit anhalten und verschnaufen kann, denn eine lange Sportbahn schaffen meine Lungen nicht mehr. Außerdem genieße ich die 32 Grad Wassertemperatur. So verfroren wie ich bin, komme ich nicht mal in das Sportbecken hinein. Beim letzten Schwimmbadbesuch musste meine kleine Tochter zwangsläufig das Schwimmen lernen. Ich hatte ihr nämlich die Schwimmhilfe, die sogenannte „Nudel“, gemopst, da ich damit das Rückenschwimmen entdeckte. Vor lauter Langeweile übte mein Kleine also tapfer eine Stunde lang das Schwimmen, während ich voller Begeisterung das Rückenschwimmen in allen erdenklichen Varianten erprobte. Als ich ihr schließlich die Nudel zurückgeben wollte, verkündete sie stolz: „Du kannst sie behalten. Ich kann jetzt schwimmen!“ Weiterlesen

Ich sterbe ein anderes Mal

Ich sterbe ein anderes Mal

Leider habe ich sehr lange nicht mehr geschrieben. Das hat einen Grund. Ich habe für einige Wochen alles verloren, meine Kraft, meinen Glauben, mein Urvertrauen in die Welt. Aufgrund einer unerwarteten Nebenwirkung der Chemo fand ich mich plötzlich dem Tod näher als dem Leben. Mein Immunsystem brach völlig zusammen, meine Leukos blieben trotz zahlreicher Leukozytenspritzen auf 0,2 stehen.  Diese Chemo galt als gut verträglich, so dass es ein großes Rätsel blieb, warum ich darauf so überaus sensibel reagierte. Niemand hatte einen Rückfall erwartet, im Gegenteil, ich ging positiv und angstfrei in die Therapie. So traf mich dieser Schock besonders hart. Von meinem 3wöchigen Klinikaufenthalt verbrachte ich 2 Wochen „umkehrisoliert“, d.h. ich musste vor jedem Keim geschützt werden: Aufgrund der hohen Infektionsgefahr durfte ich mein Zimmer nicht verlassen. Alle Ärzte, Pfleger, Besucher erschienen in sterilen grünen Kitteln mit Mundschutz. Ich kam mir vor wie auf einem anderen Planeten, gefangen genommen von Außerirdischen. Bisher hatte ich mir immer vorgestellt, dass ich erst dann gehen würde, wenn ich alles gegeben hätte, jahrelang tapfer alle möglichen Kämpfe geführt hätte. Doch niemals hätte ich erwartet aus Versehen, wegen einer medizinischen Unverträglichkeit, zu sterben. Das lag mir völlig fern. Für mich passt das Sterben zum Charakter eines Menschen. Man stirbt so, wie man auch gelebt hat. Und mein Leben ist, in guten wie in schlechten Zeiten, immer lebendig und leidenschaftlich.

Weiterlesen

Unsichtbar

Unsichtbar

Nichts ist so sicher wie der Tod! Trotzdem verdrängen die meisten Menschen seine Existenz. Durch mein Schicksal werden sie wieder an sein Dasein erinnert. „Diejenigen, die vor uns gehen, haben die Aufgabe, uns den Tod näher zu bringen“, sagte einst eine Freundin zu mir. Meine Freundinnen fühlen sich geehrt, dass ich sie auf meinem Weg mitnehme. Sie nehmen die Chance wahr, wach gerüttelt zu werden, um ihr eigenes Leben zu überdenken und wieder bewusst zu gestalten. Weiterlesen